Samstag, 17. Februar 2007

Der Bundestrojaner: eine spezielle, hoch professionelle Software

BKA-Präsident Jörg Ziercke spricht mit der Welt. Natürlich ist hier der Bundestrojaner ein Thema:
WELT.de: Das größte Problem einer gesetzlichen Regelung ist der Intim- und Geheimnisschutz. Wie wollen Sie verhindern, dass ihre Ermittler etwa Liebesbriefe oder intime Tagebücher durchstöbern?

Ziercke: Wir werden eine spezielle, hoch professionelle Software entwickeln, die sich nicht mit Hacking oder Trojanern vergleichen lässt. [...] Die Programme sollen bestimmte Signalwörter zur Suche enthalten. Die Privatsphäre wird dadurch geschützt. Im Übrigen soll ein Richter entscheiden, welche Daten ins Verfahren eingeführt werden.

Welt.de BKA-Chef: Deutsche schätzen Terrorgefahr zu gering ein

Was sind denn Signalwörter?

Muss ich mir das jetzt so vorstellen, dass ich dann eine Art Suchmaschine auf meinem Rechner habe. Dann nimmt sich der Polizeibeamte eine richterlich genehmigte Liste von Signalwörtern und tippt die ein. Dann werden die gefundenen Dokumente per Internet an die Behörden übermittelt.

Was nehmen wir denn da?

Bombe, Bahnhof, Allah? oder lieber Sprengstoff, Flugplatz, Gott?
Also mache ich mich mit den Sätzen wie "am Bahnhof war zur Eröffnung eine Bomben Stimmung" schon verdächtig?
Und was ist, wenn diese Signalwörter verklausuliert sind? Also statt dem Wort Bombe das Wort Staubbeutel genommen wird?
Mit Suchwörtern zu Arbeiten ist eine mehr als unscharfe Methode - wer Internetsuchmaschinen benutzt weiß das.

Und diese Dokumente werden dann an den Beamtencomputer übertragen?

Je nach Dokument kann das schon einige Megabyte sein. Und wenn viele Dokumente gefunden werden, sind das gleich mal einige 100 Megabyte. Das könnte sogar bei einem guten DSL-Anschluss auffallen.
Aber was ist, wenn die bösen Buben auf dem Ländle wohnen? Da ist es schon schwer einen DSL-Anschluss zu bekommen? Eher wird der geneigte Internetbenutzer einen ISDN- oder sogar Modem-Anschluss haben. Da dauert die Übertragung richtig lange und bei Volumentarifen sogar noch dazu richtig teuer.

Zurück zum Anfang: Wie kommt der Spion auf den Computer?

Wenn man seinen Computer, egal ob Windows, FreeBSD oder Linux, halbwegs sicher hält, dazu nicht jeden x-beliebigen Emailanhang öffnet, dürfte es sehr schwierig sein, über das Internet gezielt den Bundestrojaner zu installieren.
Im Grunde muss der geneigte Beamte an den Computer ran um die Schadsoftware den staatlichen Schnüffler zu installieren. Und wie kommt ein Beamte legal an den Rechner um ihn zu verwanzen? Mir fällt da ein Durchsuchungsbeschluß ein.
Naja, dann könnten sie den Computer auch gleich mitnehmen ...

Signalwörter schützen die Privatsphäre?

Das ist offensichtlich Falsch. Warum will das uns Herr Ziercke erzählen? Wahrscheinlich ist es nur ein schlechter Versuch dem Bürger Sand in die Augen zu streuen.

Echt traurig, Herr Ziercke.
Geschrieben von Carsten Biebricher in Politik um 00:07
Kommentare (4) | Trackback (1)
Tags für diesen Artikel: bka, bundestrojaner, datenschutz, deutschland, interview, politik, signalwörter, ziercke
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Aufgenommen: Feb 17, 03:16

Kommentare
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Matthias - #1 - 17.02.2007 10:28 - (Antwort)

Andreas[1] hat gezeigt, wie das Installieren eines Trojaners für die Behörden einfach und effizient geht.

Ich stelle mir das so vor, dass die Polizei zum Provider des Opfers geht. Der Provider muss dann allen Traffic des Opfers durch einen Computer der Polizei hindurch schicken. Wenn eine ausführbare Datei herunter geladen wird, wird die erkannt und "gepatcht".
Das Opfer merkt davon nichts, und die Pozelei muss auch nicht physikalisch an seinen Rechner ran.


[1]: http://www.andreas.org/blog/?p=307

cabi - #1.1 - 17.02.2007 11:18 - (Antwort)

Jop - den Artikel hatte ich auch gelesen ... und wieder verdrängt. ;-)

So eine transparente bridge kann schon ziemlich gemein sein. Also da hilft eigentlich nur, seine Programme an 'unauffälligen' Orten wie Uni, Arbeit oder bei ahnungslosen Bekannten zu beziehen.

;-) ... aber die Faulheit wird siegen.

Kamuflaro - #2 - 17.02.2007 11:36 - (Antwort)

Ich will ja nicht, wie ein Troll klingen, aber ich möchte mal loswerden, dass es seit Windows Gedenken Sicherheitslücken gab, die nicht der Breiten Masse bekannt waren... Über solch eine Lücke könnte man praktisch alles machen. Ich sage hier bewusst praktisch.
Erst gestern gab es wieder einige Sicherheitsupdates für XP, die automatisch installiert wurden. Mit solch einem Update könnte man auch einen Trojaner installieren, man bräuchte nur die Kooperation von Microsoft. :-(

cabi - #2.1 - 17.02.2007 11:49 - (Antwort)

Ich hoffe insgeheim auf noch einen kleinen Funken Anständigkeit, so dass der Bundestrojaner nicht generell auf die breite Masse losgelassen wird.

Das eine Globalinfizierung möglich ist, bin ich überzeugt, dass die von staatlicher Seite eingesetzt werden wird, glaube ich nicht. (zu mindestens nicht in den nächsten 7 Jahren)


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